„Rock ´n` Soul – Social Crossroads“ – Das neue Musik-Museum in Memphis, Ten.

Manuskript: Maximilian Preisler
radio kultur, 17. 04.2001
Red.:Ina Beyer

Vorschlag für Anmoderation:

Viel ist von der Schuld Amerikas in letzter Zeit die Rede, eingeklagt wird ein Schuldbekenntnis von den afro-amerikanischen Bürgern der USA, und es sind längst nicht mehr nur deren radikalen Sprecher, die eine Wiedergutmachung verlangen, für die lange Zeit der Sklaverei ihrer Vorväter und für die Rassendiskriminierung, die bis in die jüngste Gegenwart reichte. Welche Möglichkeiten allerdings im friedlichen Miteinander von Schwarzen und Weißen liegen können, zeigt das vor knapp einem Jahr eröffnete Museum „Rock ´n` Soul – Social Crossroads“ in Memphis, TN.

AUTOR:
Memphis, Tennessee ist das Tor zum Süden der USA. Hier, im vornehmen Peabody Hotel, trafen sich im 19. Jahrhundert die reichen Plantagenbesitzer, handelten den Preis der Baumwolle aus und veranstalteten große Bälle. Heute ist die riesige Lobby des Peabody ein Magnet für alle Touristen, auch wegen der raffinierten Cocktails, die sich kein Besucher entgehen lassen möchte. Vom Peabody aus sind es nur wenige Hundert Meter bis zum neuen Rock and Soul Museum, das, passenderweise, im ersten Stock der Gibson Gitarrenfabrik untergebracht ist.
Seit einem Jahr nun zieht es Fans von weither in die großflächige Ausstellung. Mit Hilfe eines Audioführers, der über 100 Musiktitel bereithält, alle in Memphis produziert, stehen die Besucher bewundernd vor den funkelnden alten Wurlitzer-Musikboxen; sie sehen das Klavier auf dem Ike Turner seine spätere Frau Tina begleitete, an der Wand hängt „Lucille“, die berühmte rote Gitarre von B. B. King.

Aber auch das Leben von damals kann man nachempfinden. Jimmy Ogle, der Leiter des Museums:

O-TON TAKE 1, darauf
SPRECHER:
Wir stehen hier in einer nachgebauten Landarbeiter-Hütte, und die Geschichte des Memphis Rock and Soul Museums beginnt ja wirklich in den Jahren 1930 bis ´40, mit der Gospel Musik, den Blues- und Work-Songs der Sharecropper, den schwarzen und weißen Landarbeitern. Weiße und Schwarze waren getrennt, aber auf den Feldern arbeiteten sie zusammen, und sie lebten unter den gleichen Bedingungen. Wenn B. B. King von dieser Zeit erzählt, der in Mississippi aufwuchs, dann ist das die gleiche Geschichte, die Carl Perkins erzählt, und seine Eltern waren weiße Landarbeiter in Tennessee. Sie hörten den Songs der anderen zu, sie sangen diese Lieder, und wenn sie heimkamen, schalteten sie ihre batteriebetriebenen Radiogeräte an.

MUSIK: Jerry Lee Lewis: Whole Lot Of Shaking Going On, bis 0:15, ausblenden, darauf:

AUTOR:
Die Musik, die hier in Memphis aus dem Zusammentreffen von Schwarzen und Weißen entstand, nannte man bald Rock ´n `Roll, die Sänger, wie Jerry Lee Lewis, waren jung, wild und sehr musikalisch, sie haßten die Farmarbeit und trafen in den Sun Studios auf einen Produzenten, der auf der Suche nach einem weißen Jungen war, der die Töne der Schwarzen sich zu eigen machen konnte. Er fand ihn 1954, sein Name: Elvis Presley.

MUSIK: Elvis Presley: Mystery Train, bis 0: 17, ausblenden, darauf:

AUTOR:
Ganz in der Nähe des Museums führt der Elvis Presley Boulevard nach Graceland, der Villa die sich Elvis nach seinen ersten Erfolgen leistete, ein weiterer Stop für viele Touristen. Musik und Politik, das vermittelt das Museum sehr anschaulich, liegen in Memphis ganz nahe beieinander.

MUSIK: Sam and Dave: Hold On, I´m Coming, bis 0:08, ausblenden, darauf:

AUTOR:
In den 60er Jahren wurde Memphis noch einmal Auslöser einer musikalischen Revolution. Kleine, unabhängige Plattenfirmen spürten, daß sich der Unmut der Afro-Amerikaner über ihre gesellschaftliche Situation nicht nur in Demonstrationen und Sit-ins zeigte. Damit einher ging eine Veränderung der Musik, Sänger wie Otis Redding und Sam and Dave erhielten nun Plattenverträge.
Soul Music wurde die Musik der Bürgerrechtsbewegung.

O-TON TAKE ZWEI, darauf
SPRECHER:
1968 war Dr. Martin Luther King in Memphis, eine schwarze Gemeinde hier in der Nähe organisierte den Marsch der streikenden Müllabfuhr-Arbeiter, schwarze Arbeiter, die gleiche Rechte forderten. Gerade hier um die Ecke zogen die Demonstranten die Beale Street hinunter. Und nur wenige Straßen weiter, im Lorrain Motel, wurde King wenig später erschossen. Wenn man also über Soul- Musik spricht, dann ist auch die Rede von der Beale Street und dem Lorrain Motel, in dem heute das Nationale Bürgerrechtsmuseum untergebracht ist. Im Rock ´n `Roll, der hier in Memphis geboren wurde, ging es um Rebellion und Revolution, bei der Soul Music ging es um soziales Bewußtsein und Bürgerrechte.

MUSIK: Sam and Dave: Hold On I´m Coming, 2:18 bis zum Ende (2:27) stehen lassen.

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