„Freedom Now!“ – Lieder der amerikanischen Bürgerrechtsbewegungen

Manuskript: Maximilian Preisler
Variationen mit Thema
Sonntag 28. Mai
16:05 Uhr – 17:00 Uhr
Red.: Dr. Gerald Felber

John Boutté: Battle Hymn Of The Republic (Trad. Arr. Boutté) Track 4, wegziehen bei 1.25
CD At the Foot Of Canal Street, VE 15138

AUTOR:
„Birth Of A Nation“ nannte der große amerikanische Filmregisseur W. B. Griffith seine Darstellung des Bürgerkriegs. Und wenn auch der teilweise offenkundige Rassismus der Erzählung verstört, die Tatsache des Neuanfangs wird überzeugend vermittelt. Der Kampf um die Frage der Befreiung der Sklaven war Geburtshelfer einer neuen Nation.
„Birth Of A Nation“ ist ein Stummfilm, doch die passende Musik zu finden, wäre kein Problem gewesen, zwei Marschmusiken hätten sich angeboten, „Dixie“, für die Südstaaten Rebellen und „John Brown´s Body“ für die Armeen des Nordens. Der Text bezog sich dabei auf einen „Aufrührer“, einen „Psychopaten“, so behaupteten es die Südstaatler, nein, gepriesen wurde darin ein Märtyrer der Emanzipation, der sein Leben für den Versuch ließ, einen allgemeinen Sklavenaufstand zu initiieren – so sahen ihn viele im Norden. Mit neuen, allgemein patriotischen und vage christlichen Zeilen versehen gilt die „Battle Hymn Of The Republic“ inzwischen als Teil einer „Amerikanischen Trilogie“. Und aus der Aufforderung: „Let us die to make men free“ des Bürgekriegs wird heute meist das unverbindlichere: „Let us live to make men free“.

Ab 2:28 bis zum Ende 5:05
John Boutte: Battle Hymn Of The Republic, Track 4
CD At the Foot Of Canal Street, VE 15138

AUTOR:
Als 1867 im 14. Zusatz zur amerikanischen Verfassung, den früheren Sklaven das Wahlrecht zugestanden wurde, gab es nur wenige Stimmen, die dagegen protestierten, daß dies nur für den männlichen Teil der schwarzen Bevölkerung gelten sollte. Eine dieser frühen Feministinnen, die für das Wahlrecht auch der schwarzen Frauen eintraten, war Sojourner Truth. Als Sklavin geboren, gelang ihr 1826 die Flucht in den Norden. Ihre Lebensgeschichte rüttelte viele Nordstaatler auf, gerade so wie die wortgewandten Predigten und Ansprachen dieser frühen Abolitionistin und Feministin ein steter Stachel im Fleisch der männlichen Zuhörer waren. Rory Block, eine der wenigen weißen Country-Blues Gitarristinnen und Sängerinnen, bezieht sich auf ihrem Song „Ain´t I A Woman“ – „Bin ich denn keine Frau“ auf einen dieser anklagenden Vorträge von Sojourner Truth.

ZITATORIN:
Es gibt viele Männer, die sagen: Frauen muß man in die Kutsche helfen, man muß sie über Gräben heben und sie sollten immer den besten Platz erhalten. Niemand hilft mir jemals in eine Kutsche oder über ein Schlammloch oder bietet mir den besten Platz an. Und bin ich denn keine Frau? Schaut mich an! Schaut meinen Arm an! Ich habe gepflügt und gepflanzt und alles in die Scheune gebracht, und kein Mann konnte mir etwas vormachen. Und bin ich denn keine Frau? Ich konnte soviel arbeiten wie ein Mann und so viel essen wie ein Mann – wenn es genügend gab – und konnte die Peitsche wie jeder aushalten. 13 Kinder habe ich geboren, und die meisten wurden als Sklaven verkauft. Und wenn ich mit mütterlichem Schmerz aufschrie, dann hörte mich keiner außer Jesus. Und bin ich denn keine Frau?

Rory Block: Ain´t I A Woman (Block/Martucci) Track 4, 2:56
CD Ain´t I Woman, LC 8457, ZS 128

AUTOR:
Zuerst waren es die nordstaatlichen Gegner der Sklaverei, die Abolitionisten, die sich zur Begründung ihres die geltenden Gesetze überschreitenden Tuns auf den Transzendentalisten Henry David Thoreau bezogen. Thoreau hatte aber in seinem Essay „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ die philosophische Blaupause auch für spätere Bürgerrechtsbewegungen geliefert.
Thoreau war dabei durchaus auch ein Mann des tatkräftigen Widerstand. Als 1850 der „Fugitive Slave Act“ vom Kongress verabschiedet worden war, mussten die Helfer der aus den Südstaaten flüchtenden Sklaven mit Bestrafung rechnen. Und mit einer Rücksendung der gefassten Sklaven. Um einer Aufdeckung zu entgehen, wurde die „underground railway“ eingerichtet, die Entflohenen wurden von Ort zu Ort, von Station zu Station weitergereicht. Thoreau dazu in einer Tagebuchnotiz vom
01. Oktober 1851:

ZITATOR
Gerade habe ich einem entflohenen Sklaven, der den Namen Henry Williams angenommen hat, in einen Zug nach Kanada geholfen Er ist vor einem Jahr aus Virginia entkommen und hat in Boston gelebt. Nun ist die Polizei auf seine Spur gekommen. Er ist in unserem Haus untergekommen und hat dort gewartet, bis wir genügend Geld gesammelt hatten, um ihn weiterschicken zu können. Ich war in Burlington, um Fahrkarten für ihn zu kaufen, jedoch dort am Depot sah ich jemand, der gerade so aussah wie ein Polizist aus Boston, und sich auch so verhielt, so dass ich es zuerst nicht wagte. Der Flüchtling war ein intelligenter und artiger Mann, ein Mulatte.

AUTOR:
Der Gospel Train, der von nun an in vielen Gospel-Songs auftaucht, führt den Gläubigen zum Himmel, und den Flüchtenden in die Freiheit.

Sister Rosetta Tharpe: The Gospel Train ab 0:17 bis Ende 5:02
CD Live in 1960, SCD-1007

AUTOR:
In den USA konnten marxistische Parteien nie feste Wurzeln schlagen. Auch wenn die stürmische kapitalistische Bewegung am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Opfer zurückließ. Gegen die vielfach unmenschlichen Arbeitsbedingungen, vor allem beim Bau der Eisenbahnen und in den Minen des Ostens und Westens, regte sich dennoch ein starker Widerstand. Der allerdings stets individualistisch geprägt blieb. Massenbewegungen zur Durchsetzung von allgemeinen Arbeitsrechten wie in Europa entstanden in Amerika nicht. Eine Art Dachorganisation der Protestierenden existierte gleichwohl für einige Jahre, sie nannten sich The Wobblies, eine Abkürzung für „Industrial Workers of the World“, eine stark anarchistisch geprägte, syndikalistisch ausgerichtete Vereinigung, die zu ihrer Hochzeit über 100000 Mitglieder mobilisieren konnte. Zwei Personen standen für den Aufschwung, den die Wobblies in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nahmen: Mother Jones, die Aktivistin aus Chicago und Joe Hill, ein schwedischer Emigrant, der vor allem mit seinen beißenden Songs viele Mitstreiter für direkte Aktionen und spektakuläre Streiks gewann. So machte er sich lustig über die „Bosse“ und deren geistigen Agenten, etwa die Heilsarmee, die den gebeutelten Arbeiter auf den Sankt Nimmerleinstag vertrösteten. Dann, im Himmel erst, gibt es den Kuchen, hier auf Erden soll man sich mit Stroh begnügen.

Ani Difranco: Pie In The Sky (Hill) Track 6, 1:13 bis Ende 3:30
CD Fellow Workers, RBRO15-D

AUTOR:
Joe Hill schrieb Songs wie “Pie In The Sky” und er selbst ist durch sein exemplarisches Leben und Sterben in die Folk-Mythologie eingegangen. Hill war Dichter, Komponist, Liederschreiber und „Hobo“, ein Wanderarbeiter, der heute in Kalifornien Obst pflückte und morgen in den Kupferminen einen Job fand. Gleichzeitig war er Agitator und Streikführer. Ob er auch ein Mörder war? Joe Hill wurde am 19. November 1915 in Salt Lake City, Utah nach einem Indizienprozess hingerichtet. War er schuldig? Hatte er einen Ladenbesitzer und dessen Sohn ermordet? Oder War Hill Opfer einer Konspiration der „Bosse“, der Strafermittler und der Politiker des Staates Utah ? War er also ein Märtyrer? Es sind wenig Fakten über Hills Leben bekannt, sein Sterben aber wurde in den Jahren nach seinem Tod von den Wobblies für ihre Zwecke genutzt, und seitdem 1925 das Lied „Joe Hill“ entstand, lässt sich kaum noch Wirklichkeit von Mythos trennen.

Ani Difranco Utah Phillips: Joe Hill (Hayes) Track 15, 1:37
CD Fellow Workers, RBRO15-D

AUTOR:
“Don´t mourn, organize!” – “Trauert nicht um mich, organisiert Euch”, dies sollen die letzten Worte von Joe Hill gewesen sein, bevor er selbst dem Erschießungskommando den Befehl erteilte. „Organize“ – das bezog sich auf die vielen nicht-gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in den neuen Industrien, der Stahlindustrie, den Automobil-Werken, dem Kohlebergbau. Ab 1933 hatten diese Arbeiter einen mächtigen Fürsprecher. Franklin Delano Roosevelt, Präsident von 1933 bis zu seinem Tod 1945, forderte eine Neuausrichtung der amerikanischen Wirtschaft. Einer bereits starken Gruppe von Kapitaleigentümern sollte eine ebenso starke Gruppe von organisierten Arbeitern gegenüber gestellt werden. Vor allem die neugegründete Industriegewerkschaft CIO profitierte von der politischen Unterstützung aus Washington. Es dauerte jedoch eine ganze Weile, bis die Arbeiter in den großen Firmen ihre Rechte durchsetzen konnten. Und zuweilen kam es zu spontanen Fabrikbesetzungen, die wiederum zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften führten. Die relativ unbedeutende Kommunistische Partei Amerikas unterstützte die Streikenden – auch mit musikalischen Mitteln.

Almanac Singers: Union Maid (Lampert/Guthrie) Disc 3, Track 12, 2:08
CD Songs For Political Action, LC 5197, BCD 15720

AUTOR:
Der Einfluss der Communist Party Of The USA blieb in den Fabriken gering. Bei den Intellektuellen der Ostküste allerdings war es für eine Zeit lang en vogue sich der radikalen Linken anzuschließen, oder zumindest mit ihnen zu sympathisieren. Aber selbst hier verspielten die Kommunisten leichtfertig ihr Ansehen. Die jeweiligen Direktiven aus Moskau ließen die Partei einen Schlingerkurs einschlagen. Heute wurde Roosevelt noch als Sozial-Faschist beschimpft, zum Beispiel während der Zeit des Hitler-Stalin Paktes, morgen sollte eine große nationale Koalition der von Deutschland überfallenen Sowjetunion zur Seite springen. In der Musik allerdings konnte die Linke mit vielen Trümpfen aufwarten. Pete Seeger, Woody Guthrie, Huddie Ledbetter, auch als Leadbelly bekannt, Burl Ives, Cisco Houston und schließlich auch Josh White – sie alle traten ein für „progressive ideas“. White, ein schwarzer Blues-Sänger konnte mit seinen anklagenden Liedern über den Süden sogar auf viel Zustimmung aus dem Weißen Haus rechnen. Und Roosevelt sah sich als „Uncle Sam“ direkt angesprochen.

Josh White: Uncle Sam Says (White/Cuney) Disc Two, Track 17, 2:38
CD Songs for Political Action, LC 5197, BCD 15720-2

Die Forderung von Josh White nach Gleichstellung der afro-amerikanischen Soldaten wurde durch Präsident Trumans Erlass von 1948 erfüllt, der innerhalb der Streitkräfte jegliche Diskriminierung, auch der Diskriminierung nach „Rasse“, offiziell ein Ende bereitete. Das lässt sich nun aber weniger an der Durchschlagskraft dieses Liedes festmachen, als an dem allgemeinen Klima einer Aufbruchstimmung, das sich nach dem Ende des Krieges in den USA verbreitete. Der Stolz vieler Schwarzer, für das Vaterland gekämpft zu haben, erfolgreich gekämpft zu haben, was die Niederlage Deutschlands und Japans bewiesen, kann aber sehr wohl als eine der Quellen für die Energie betrachtet werden, mit der sich nach 1945 eine Widerstandsbewegung entwickelte, die ein Ende jeglicher Diskriminierung schwarzer Bürger forderte. Bürgerlicher Ungehorsam, gewaltfreier Widerstand, Demonstrationen, Boykotte, „freedom rides“ – als junge Weiße aus dem Norden und Osten sich aufmachten, um Wählerregistrierungen im tiefen Süden zu forcieren, all diese politischen Mittel wurden begleitet durch Musik. Ein wichtiger Ort für die Entwicklung von Widerstandsszenarien war die Highlander Folk School, an der bereits seit den 30er Jahren Gewerkschaftsmitglieder und Community-Leaders geschult worden waren. Hier wurden neue Strategien erprobt, wie durch „sit-ins“ am Lunchcounter und „go-ins“ in Schwimmbäder und Eisenbahnstationen die Rassentrennung beendet werden könne. Noch am Abend bevor Rosa Parks eine Revolution anstieß, als sie sich weigerte in einem „segregated bus“ den ihr zustehenden Platz im hinteren Teil des Busses einzunehmen und sich einen Platz vorn, unter den weißen Buspassagieren suchte, hatte sie an einem Kurs in Monteagle teilgenommen.

Von Anfang an war die Bewahrung von Folk-Songs aus den Appalachen und die Neuentwicklung von politischen Songs ein wichtiges Aufgabengebiet der Highlander Folk School. Diese Aufgabe hatten Guy und Candy Caravan übernommen.

Guy And Candy Caravan: Ain´t You Got A Right To The Tree Of Life, CD 2, Track 2, 3:18
CD Freedom Is A Constant Struggle, FE 1419CD

AUTOR:
Bob Dylan sagte im ersten Band seiner Lebenserinnerung „Chronicles“ zu dem Song “Joe Hill”:

ZITATOR
Es ist schwer, Protestsongs zu schreiben, die nicht moralinsauer und eindimensional wirken. Man muß den Leuten eine Seite ihrer selbst zeigen, von der sie noch nichts wissen.“

AUTOR:
Dylan, der in seinen Erinnerungen, „Chronicles“ von drei starken Einflüssen auf seine Musik spricht, dem schwarzen Blues, den Songs von Brecht/Weill und sich dazu in einer Traditionslinie sieht, die von Joe Hill zu Woody Guthrie führt, hält auch von vielen seiner eigenen Songs aus den frühen 60er Jahre nicht mehr viel. Überhaupt fühlt er sich missverstanden:

ZITATOR:
Songs zu aktuellen Themen waren keine Protestsongs. Die Bezeichnung „Protestsänger“ gab es genauso wenig wie die Bezeichnung Singer/Songwriter. Man war Musiker oder man war keiner, das war´s. Ich versuchte später klarzustellen, dass ich mich nicht für einen Protestsänger hielt, dass das ein Missverständnis sei. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ich gegen etwas protestierte, genauso wenig wie Woody Guthrie in seinen Songs. Für mich war Woody kein Protestsänger.

Woody Guthrie: Pastures Of Plenty (Guthrie) Track 1, 2.25
CD This Land Is Your Land, MM 6001

AUTOR:
Vielleicht muss man bestimmte Songs von Dylan vor dem nachträglichen Furor des Komponisten und Texters retten. Wie sonst als Protestsong hätten die Bewohner von Greenwood, MS, dort sang Dylan bei einer Wähler-Registrierung, den Text seines Liedes „Only A Pawn In Their Game“ verstehen sollen, in dem die Rede ist von der Manipulierung armer Weißer durch korrupte Politiker, die ihr Ziel, Weiße und Schwarze zu spalten, durch Lug und Trug erreichen wollen, ja selbst zu Gewalt Zuflucht nehmen, nur um ihre Macht zu erhalten. Auch beim großen Marsch der Bürgerrechtsbewegung auf Washington sang Dylan diesen Song, und auch den Teilnehmern dieses Marsches schienen Dylan als einen der ihren, eben als Protestierenden anzusehen.

Bob Dylan: A Pawn In Their Game (Dylan) CD 1, Track 5, 3:30
CD Freedom Is A Constant Struggle, FE 1419CD

AUTOR
Zwei Ereignisse vor allem waren es, die den Rassisten im Süden der USA letztlich den Garaus bereiteten. Zum einen die schockierenden Bilder von der Demonstration in Birmingham, Alabama, als Polizeichef Bull Connor den Strahl der Wasserwerfer auf friedliche Demonstranten richten ließ, die durch die Gewalt des Strahls gegen Häuserwände und Bäume geschleudert wurden, sowie die Wochenschau-Aufnahmen, die zeigten dass Bull Connor sogar scharfe Hunde gegen Kinder und Frauen hetzen ließ. Ein Aufschrei ging durch Amerika, ein Aufschrei ging durch die ganze Welt. Das zweite Ereignis: das Verschwinden von drei jungen „Freedom riders“ in Mississippi, zwei weißen und einem schwarzen Studenten, die zur Wählerregistrierung angereist waren. Als ihre Leichen gefunden wurden und klar wurde, dass sie Opfer eines unglaublichen Rassismus geworden waren, wandelte sich das Blatt. Das FBI schickte Beamte zur Aufklärung des Falles, die Regierung in Washington, die sich bis zu diesem Zeitpunkt zurückgehalten hatte, griff ein, und versprach, von nun an die friedlichen Demonstranten durch die Macht des Staates zu schützen. Gleich mehrere Songs entstanden, in den denen das Leben von Michael Goodman, Andrew Schwerner und James Chaney nacherzählt wurde.

Tom Paxton: Goodman, Schwerner, and Chaney (Paxton) CD 2, 2:38
CD Freedom Is A Constant Struggle, FE 1419CD

AUTOR:
Es ist heute gar nicht mehr vorstellbar, wie sehr noch in den 50er und frühen 60er Jahren selbst bekannte schwarze Musiker diskriminiert und gedemütigt wurden – wegen ihrer Hautfarbe. Eine von vielen solcher Geschichten hat der britische Autor Geoff Dyer in seinem Roman ““But Beautiful“ nacherzählt. Private Young, das ist der berühmte Saxophonist Lester Young, auch Pres genannt, zerbrach in den Monaten seines Armeedienstes.

ZITATOR:
-Inspektion!
Lieutenant Ryan riss seinen Spind auf, spähte hinein, stieß mit seinem Offiziersstöckchen – seinem Zauberstab, wie Pes ihn immer nannte – auf das Bild einer lächelnden Frau.
-Ist das Ihr Spind, Young?
-Ja, Sir.
-Und haben Sie dieses Bild da hingeklebt, Young?
-Ja, sir.
-Fällt Ihnen irgendwas an der Frau auf, Young?
-Sir?
-Irgendwas Auffälliges an der Frau, Young?
-Ja, Sir. Sie hat eine Blume im Haar.
-Sonst noch was?
-Sir?
-Kommt mir wie eine weiße Frau vor, Young, eine junge weiße Frau, Young. Kommt sie Ihnen auch so vor?
-Ja, Sir.
-Und meinen Sie, es ist richtig, dass ein Nigger-Gefreiter das Bild einer weißen Frau einfach so in seinem Spind hängen hat? Verheiratet Young?
-Sir.
-Aber anstatt ein Bild von Ihrer Frau wollen Sie das Bild einer weißen Frau haben, damit Sie an sie denken können, wenn Sie sich nachts einen runterholen.
-Sie ist meine Frau.
Er sagte es so leise wie möglich.
-Sie ist meine Frau, Sir.
-Runter damit, Young.
-Sir.
-Jetzt, Young. Zerknüllen sie es … Und jetzt werfen sie es in den Eimer.
-Ja, Sir.

Max Roach: Driva Man, Track 1, 5.10
CD We Insist. Max Roach´s Freedom Suite

Dr. Martin Luther King, Jr ist die überragende Gestalt der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre. Doch erst sein Eintreten gegen die Armut im Lande, und zwar nicht nur der schwarzen Landarbeiter im Süden, und sein Protest gegen den immer heftiger geführten Krieg in Vietnam machten ihm zum Opfer einer weitverzweigten Verschwörung. King verlor durch seine Ablehnung des Krieges in Südostasien die Protektion des Präsidenten Johnson und brachte mit seinem Plan eines Marsches der Armen auf Washington unfreiwillig eine Koalition von gefährlichen Gegnern zusammen. Die sich höchster Unterstützung, so von FBI Chef Edgar Hoover, sicher sein konnten. Kings Ermordung brachte die Bürgerrechtsbewegung an einen Scheidepunkt, ohne King zersplitterte die Koalition der Civil Rights Advokaten, der Pazifisten und der Unterstützer aus der Politik.
Im Andenken an King ist am Ort seiner Ermordung in Memphis, TN das National Civil Rights Museum entstanden, der Soundtrack des Museums lässt die Soul Musiker zu Wort kommen, die in dieser Zeit „Say it loud – I´m black and I´m proud“ anstimmten, und Mahalia Jackson ist zu hören, der Gospel-Song „Take My Hand Precious Lord“ war von King gewünscht worden, für den Fall, dass er das gelobte Land eines friedlichen Nebeneinander von Weißen und Schwarzen nicht mehr würde sehen können. .

Mahalia Jackson: Take My Hand Precious Lord (Dorsey) Seite A, Track 1, 2:40
LP Mississippi Burning, LC 0407, 209853

Nach der Ermordung John F. Kennedys, Robert Kennedys, Martin Luther Kings und Malcom X war die amerikanische Nation über den Krieg in Vietnam tief gespalten. Pazifistischen Strömungen fanden in Songs wie „I Ain´t Marching Anymore“ ihren Ausdruck, der Sänger Phil Ochs aber zerbrach an seiner Rolle. Neben den Anti-Kriegs Protesten entwickelten sich bald neue Bürgerrechtsbewegungen, das waren unter anderem feministische Gruppierungen, das AIM, American Indian Movement, und im Westen und Süden eine Bewegung der Latinos, die für sich die in der Konstitution versprochenen Rechte einforderten. In jüngster Zeit nun beharrt eine neue Anti-Kriegs Bewegung darauf, das Eingreifen im Irak mit dem Krieg in Vietnam zu vergleichen und malt auch für diesen Krieg ein Menetekel an die Wand. Viele Musiker ergreifen Partei, die Gegner des Einmarsches rekurrieren dabei auf alte Vorbilder – wie der Rock- und Americana Star Bruce Springsteen, der erneut den Song „We Shall Overcome“ anstimmt und sich damit politisch positioniert, subtil und dennoch hörbar. Das Lied, ursprünglich eine Hymne der Baptisten, weist in die dreißiger, vierziger Jahre zurück und wurde vor allem in der Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er Jahre populär. Für seine Verbreitung waren vorzüglich Pete Seeger und die Highlander Folk School verantwortlich.

Bruce Springsteen: We Shall Overcome (Adpt. Caravan/Hamilton/Horton/Seeger) Track 12, 4:50
CD We Shall Overcome – The Seeger Sessions, Sony 82876830742-CD1

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>