Steven Watson: Die Beat Generation

Manuskript: Maximilian Preisler

Radio Kultur

Journal, 25.11.1997

Red.: Heinz Immendorf

AUTOR:

Zuerst war es eine Gruppe von Freunden, von Studenten, die sich Mitte der 40er Jahre an der Columbia University in uptown Manhattan trafen. Sie waren im gleichen Alter, sie hatten die gleichen Interessen – ganz oben auf der Liste standen Besuche in den Jazz Clubs von Harlem – ; das Wichtigste aber,: sie alle wollten schreibend eine Identität gewinnen. Herbert Huncke, einer der Freunde, hatte das Wort „beat“ im Herbst 1945 im Freundeskreis eingeführt. Er hatte es von Bekannten im Show Business übernommen, ein Slang Wort, das soviel wie „ausgeraubt“ oder „gelinkt“ bedeutete. Es verbreitete sich schnell und wurde bald zu einem der wichtigsten „In-Worte“, nachdem die New York Times Anfang der 50er Jahre einen großen Artikel mit der Ãœberschrift „This is the Beat Generation“ veröffentlichte. In der von Steven Watson gerade in Deutschland veröffentlichten Monographie: „Die Beat Generation“ werden Jack Kerouac, Allen Ginsberg und William Burroughs als Dreh- und Angelpunkt einer größeren Gruppe von Schriftstellern vorgestellt, die sich unter dem Begriff „The Beats“ zusammenfassen lassen. Steven Watson:

O-Ton (1:15) darauf:

Zum einen waren das die drei Männer, die sich seit 1944 kannten, sie bildeten einen sehr, sehr engen Kreis von treuen Freunden. Und meiner Meinung nach gäbe es keine Beat Generation, wenn sie nicht zusammen gearbeitet hätten. Dabei ist ihr Schreiben sehr unterschiedlich. Jack Kerouac schreibt an einem pikaresken amerikanischen Roman, William Burroughs Schreiben läßt sich als tödlich-scharfe schwarze Komödie bezeichnen, und Allen Ginsberg schreibt eine apokalyptische, lyrische Poesie. Das ist also auf mehreren Ebenen ganz unterschiedlich. Was sie jedoch alle drei verbindet: Aufrichtigkeit, Interesse an spontanem Schreiben, etwas das ähnlich ist wie Jazz Improvisationen, und das Erforschen neuer Qualitäten in der amerikanischen Sprache. Sie nehmen die amerikanische Sprache aus dem akademischen Bereich heraus und bringen sie auf die Straße.

AUTOR:

Steven Watsons Untersuchung über die Beats, die „geschlagene Generation“, vernachlässigt die literarische Analyse keineswegs, dennoch ist zu spüren, daß ihn noch viel mehr die Frage interessiert: Wie kam es, daß eine kleine Gruppe von Freunden eine solche ästhetische und soziale Umwälzung vorbereiten konnte. Die Beat Generation – als Vorläufer der Hippies und der Counter-Culture Bewegung der 60er Jahre und aller Unangepaßten der folgenden Jahrzehnte. Das Lay Out seines Buches gestaltet Watson ähnlich dem Schreiben der „Beats“, der Fließtext wird immer wieder durch Photos, darunter seltene Privatphotos, unterbrochen, im breiten Textrand bringt er kurze Statements seiner Helden unter, er stellt zusammen, welche Titel sich auf ihren Buchregalen befunden haben und er offeriert Erläuterungen zu Slang-Wörtern, denn die Beats waren auch große Sprach-Schnmiede. Im Untertitetl nennt Watson diese Schriftsteller „Visionäre, Rebellen und Hipsters“. Ein Moment ihres Rebellentums war ihr Verhältnis zur Sexualität.

O-TON (1:28) darauf:

Sowohl die heterosexuellen als auch die homosexuellen Verbindungen innerhalb der Gruppe waren sehr starr. Diese Verbindungen zwischen ihnen waren ziemlich fließend. Burroughs war in Ginsburg verliebt, Ginsburg wiederum war in Kerouac verliebt; Ginsburg war aber auch in Neal Cassady verliebt, den Protagonisten aus Kerouacs „On the Road“. Das ist also alles sehr miteinander verbunden. Für ihre Literatur bedeutete das: sie mußten sich ihrem Außenseiterstatus stellen. In den 50er Jahren konnte man in Amerika einfach kein „main stream“ Homosexueller werden. Das gab es nicht. Als Ginsburg „Howl“ schrieb, sein klassisches Gedicht aus dem Jahre 1955, begann er, über seine Hosexualität zu schreiben. Und er sagte: Das war eine Grenze, und als ich die überschritten hatte, wußte ich, dies konnte ich niemals in einem „normalen“ Verlag veröffentlichen. Und das befreite mich. Es bedeutet eben auch frei zu sein, wenn man sich in den Randbezirken der Gesellschaft aufhält. Und ist jene reiche Gegend, in der diese Männer fündig wurden.

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