New York (Variationen mit Thema)

Manuskript DeutschlandRadio Berlin

Maximilian Preisler Red.: Dr. Gerald Felber

26. 09. 2004

New York, New York

Billy Joel: New York State Of Mind (Joel) Track 4, ab 0:56 – 1:30

CD Turnstiles, LC 0149, CDCBS 81195

Billy Joel: 3:16 – 3:54, darauf

AUTOR:

Wir wollen in dieser Variationen Sendung Billy Joels Songtext folgen. Er fragt: Warum soll man denn ins Flugzeug springen und nach Miami Beach oder Hollywood fliegen? Man kann doch ganz einfach den Greyhound Bus nehmen und am Hudson River entlang fahren. Warum? Für Joel, ein „home-town boy“, gar keine Frage: Mein Geist, mein Gemüt, ich bin ganz erfüllt von New York, „I’m in a New York state of mind“.

Wir wollen New York auf einem musikalischen Streifzug durchqueren, dabei werden wir vor allem auf der Insel Manhatta bleiben, so nannten die indianischen Ureinwohner dieses Eiland aus Granit, jedoch die übrigen vier Boroughs – die Stadteile Brooklyn, Staten Island, Queens und die Bronx – nicht ganz außer Acht lassen. Wo findet man „musical landmarks“ – musikalische Wahrzeichen? Ganz bestimmt an der berühmtesten Straße New Yorks.

The Drifters: On Broadway (Leiber/Stoller/Mann/Weill) CD 2, Track 7, 2:57

CD All About Soul, Rhino 7567805952

AUTOR:

Jerrry Leiber, Mike Stoller, Barry Mann und Cynthia Weill, die vier Komponisten von „On Broadway“ hatten ihren Arbeitsplatz in einem elfstöckigen Haus direkt an der Straße über die sie einen Song schrieben. Das Brill Building, erbaut in den 30er Jahren, benannt nach einem Textil-Laden im Erdgeschoss, mauserte sich in den 60ern zur Schmiede von Ton Ten Hits. Leiber/Stoller, Mann/Weill und ihre Kollegen Carole King, Neil Sedaka, Bobby Darin, Doc Pomus, Mort Shuman, später dann auch der Erfinder der Wall of Sound Phil Spector, sie alle waren Tag für Tag damit beschäftigt, Songs für die Hitparaden zu schreiben. Es gelang ihnen bestens, innerhalb von fünf Jahren produzierten sie über 100 US Hits. Die Arbeitsbedingungen waren dabei nicht immer optimal, wie sich Carole King erinnert:

SPRECHERIN:

Jeden Tag musste wir uns in unsere kleine, viereckige Höhlen zwängen, da war gerade genug Platz für ein Klavier, ein Klavierstuhl und vielleicht noch ein Stuhl für den Texter, wenn man Glück hatte. Man saß also in dieser Höhle und schrieb. Während dessen konnte man hören, dass in der Nachbarhöhle jemand einen Song schrieb, der Deinem ganz ähnlich war. Der Druck im Brill Building war wirklich höllisch, sie spielten einen Songwriter gegen den anderen aus. Sie verkündeten die Parole: Wir brauchen unbedingt einen neuen Smash Hit für einen unserer Sänger, und dann gingen alle zurück an ihren Arbeitsplatz und schrieben einen Song. Und am nächsten Tag war dann die Anhörung.

Ben E. King (Spector/Leiber) Track 9, 2:52

Ben E. King The Ultimate Collection Atlantic 780 213-2

AUTOR:

Von Downtown nach Harlem – das ist ein Weg, den viele Vergnügungssüchtige nehmen. Und die bequemste und schnellste Art zu den Jazz Bars zu kommen, inspirierte bereits Bill Strayhorn, den Hauskomponisten der Duke Ellington Band, zu einem seiner eingängigsten Titel:Take the A Train. Harlem: Ursprünglich waren die rotfarbigen Sandsteinhäuser an der Lenox Avenue und den Straßenzügen nördlich der 125. Straße für Weiße gebaut worden, als aber in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die Zahl der schwarzen Job-Suchenden aus dem Süden anschwoll, entwickelte sich diese Gegend in rasanter Geschwindigkeit zum größten schwarzen Getto Amerikas, zur Stadt innerhalb der Stadt. Der „A Train“ ist kein Bummelzug, der an jeder Station hält, mit dieser U-Bahn Linie geht es in rasanter Geschwindigkeit in den Norden Manhattans, begleitet wird man dabei von einem markerschütternden Kreischen, wenn der „Express Zug“ auf der Überholspur in der Mitte die „Local Trains“ hinter sich zurück lässt. „You must take the A Train, to get to Sugar Hill way up in Harlem.”

Duke Ellington/Ella Fitzgerald: Take The A Train (Strayhorn) CD 1, Track 5, ausblenden bei 2:30

CD Ella Fitzgerald Sings The Duke Ellington Song Book, LC 0383, 837 035-2

Und wenn man den „A Train“ dann verlässt, geht es in die Clubs – der Cotton Club war früher der berühmteste, der allerdings nur weiße Gäste einließ. Toni Morrison beschreibt in ihrem Roman „Jazz“, wie eine private Party in Harlem im Jahre 1926 ausgesehen haben mochte.

SPRECHERIN:

Die beiden Freundinnen steigen die Treppe hinauf und lassen sich geradewegs zu der richtigen Wohnung leiten, mehr von dem Jazzpiano, dessen Klang sich durch die Türritzen ergießt, als von ihrer Erinnerung an die richtige Wohnungsnummer. Sie bleiben stehen und schauen einander an, bevor sie klopfen. Sogar im dämmrigen Flur betont die dunkelhäutige Freundin noch die Sahnefarbe der anderen. Felices öliges Haar bringt Dorcas’ weiche trockene Wellen zur Geltung. Die Tür geht auf, und sie treten ein.

Bevor später die Lichter ausgemacht werden und die belegten Brote und das Sodawasser verschwinden, wählt der, der das Grammophon bedient, schnelle Musik aus, passend für den hell erleuchteten Raum, in dem alle hinderlichen Möbel an die Wand gerückt oder in den Flur geschoben wurden und sich auf den Betten Mäntel stapeln. Unter dem Deckenlicht bewegen sich Paare wie Zwillinge, die mit-, wenn nicht gar füreinander geboren sind und am Puls des Partners teilhaben wie eine zweite Schlagader. Sie glauben noch vor der Musik zu wissen, was ihre Hände, ihre Füße tun müssen. Zwischen den Plattenwechseln, während sich die Mädchen mit Blusenkragen fächeln, um Luft an feuchte Schlüsselbeine zu lassen, oder mit besorgten Händen den Schaden zu fühlen, den die Feuchtigkeit an ihrem Haar angerichtet hat, drücken die Jungen sich gefaltete Taschentücher an die Stirn. Gelächter versteckt indiskrete Blicke voller Willkommen und Verheißung und nimmt den Gesten von Betrug und Preisgabe ihre Härte.

Duke Ellington: Cotton Club Stomp (Hodges/Carney/Ellington) Track 1, 2:50

CD Mood Indigo, LC 7703, CDD 482

AUTOR:

Es ist ein Gerücht, dass es ganz einfach sei, sich in Manhattan zurecht zu finden. Wie ein Schachbrett seien die Straßen angeordnet. Da sind zum einen die Avenues, die großen Nord-Süd Schneisen, sie reichen vom East River, dort beginnt man zu zählen, bis zur Eleventh Avenue, von dort aus schaut man über den Riverside Drive auf den Hudson River und das gegenüberliegende Ufer, das allerdings gehört schon zu New Jersey. Und zum anderen gibt es die Streets, die rechtwinklig die Avenues schneiden und man ist bei der 125. Street noch längst nicht am Stadtrand angekommen. Die berühmte 5th Avenue teilt die Herde der Wolkenkratzer von Downtown über Midtown bis Uptown schließlich in East und West.

Wenn es denn so einfach wäre! Wer einmal am U-Bahnhof Bleeker Street in Greenwich Village ausgestiegen ist, um zu überprüfen, ob tatsächlich Nebelschwaden vom East River heranziehen und die Straßenzüge mit einem Leichentuch bedecken, so haben es zumindest Simon & Garfunkel behauptet, der weiß, wie schnell man sich verliert, nach einem Spaziergang, der nur wenige Blocks weit führt, wobei ein Block von einer Kreuzung bis zur nächsten reicht. Im Straßengewirr des Village hat sich die durchplante, mathematisch exakte Stadtstruktur bis heute nicht durchgesetzt.

Greenwich Village war in den 50er Jahren der Treffpunkt der Beatniks, in den 60er kamen die „Folkies“ , Bob Dylan, Tom Paxton und Phil Ochs traten im Gaslight oder in Gerde’s Folk City auf, trugen ihre bittersüßen Love Songs und ihre schneidenden Protestsongs vor, und beklagten sich im übrigen verbittert über die abweisende Härte der Großstadt. Dylan, in seinem „Talking New York Blues“, stilisierte sich selbst zum ruhelos umherziehenden Barden:

SPRECHERIN:

Winter in New York Town

Der Wind bläst den Schnee umher

Du läufst herum, weißt nicht wohin,

Da könnte einer bis auf die Knochen frieren,

Ich fror bis auf die Knochen.

AUTOR:

Und Paul Simon wusste, dass Kanaan, das gelobte Land, von den Straßen des Village weit entfernt war.

Neben einem Dutzend anderer jüngerer Musiker, ist auch Jonatha Brooke mit von der Partie, wenn es gilt, an die fruchtbaren Jahre der Sixties zu erinnern, als in der Bleeker Street eine Kulturrevolution ausgerufen wurde..

Jonatha Brooke: Bleeker Street, Track 1, 3:18

CD Bleeker Street: Greenwich Village in the 60´s, TCD 4012

AUTOR:

Die Künstler, Musiker und Schriftsteller der amerikanischen Boheme haben schon immer in den engen, für amerikanische Verhältnisse engen, Straßen von Greenwich Village einen Zufluchtsort gehabt. Ein ganz wichtiger Grund wird im Song von Simon & Garfunkel konkret benannt: „Thirty dollars pays your rent on Bleeker Street“. Für diese lächerliche Summe findet man heute natürlich keine Wohnung mehr in der Greenwich Avenue oder in der Mac Dougal Street. Selbst für ein winziges Ein-Zimmer-Apartment im dritten Stock, erreichbar nur über eine steile, hölzerne Stiege, muss man einen vierstelligen Betrag hinblättern.

Aber noch immer hat sich die Avantgarde nicht völlig in das East Village oder nach Brooklyn vertreiben lassen: Auch wenn The Peacock vor kurzem geschlossen hat, andere Treffpunkte, Reggio, Figaro oder, ein echter Geheimtip, das Café del Artista existieren noch, hier sitzen am späten Nachmittag erstaunlich viele junge Frauen und Männer, hören der klassischen Musik zu, die aus den Lautsprechern kommt, jeder für sich alleine am Tisch, tief über voluminöse Manuskripte gebeugt. Und die wichtigsten Jazz Clubs der Stadt – das Village Vanguard, The Blue Note und Sweet Basil – öffnen weiterhin am späten Abend ihre Tore für die Besucher aus der Nachbarschaft und für Gäste von weit her, die mit sich mit dem Taxi direkt vom Flughafen zum Club chauffieren lassen. „Live At the Village Vanguard“ ist seit über 50 Jahren ein Markenzeichen.

Sonny Rollins: Softly As In A Morning Sunrise (Romberg/HammersteinII) Track 2, ausblenden bei 2:50

CD Live At The Village Vanguard, CDP 7 46518 2

AUTOR:

Die 42nd Street ist noch immer der Mittelpunkt der Musical Welt, und am Times Square gibt es neben Peep Show Etablissements auch wieder „richtiges“ Theater. Noch viel strahlender aber präsentiert sich nördlich vom Columbus Circle der weitgefächerte Komplex des Lincoln Arts Center. Am schönsten ist es, am Abend hierher zu kommen, wenn die Springbrunnen auf dem großen Platz angestrahlt sind, und die hohen, einladend illuminierten Bögen der Gebäude ringsum vergessen lassen, dass sich lange Zeit in der Nachbarschaft großer Unmut entlud wegen des tiefgreifenden städtebaulichen Eingriffs, hier an der Westseite des Central Park. Gleich ein Dutzend Kunstvereinigungen haben einen Platz unter dem Dach des Center gefunden, darunter die Film Society, Jazz at Lincoln Center, The Juilliard School – und die Met, die Metropolitan Opera. Auf der Bühne der Oper fand 1996 ein großer Gala-Abend statt.

58 weltberühmte Gesangsstars waren gekommen, doch ein enthusiastisches Publikum brachte vor allem einem Mann Ovationen: James Levine. Levine feierte an diesem Abend, mit den Stars, die er an die Oper geholt hatte, denen er den Weg geebnet hatte, wie Ruth Ann Swenson, sein 25 jähriges Jubiläum als Dirigent am Pult der Oper.

Ruth Ann Swenson: Juliet’s Waltz, Roméo et Juliette (Gounod), Track 7, 4:00

CD James Levine’s 25th Anniversary, LC 0173, 449 177-2

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Es gibt wohl keine zweite Stadt, die so schnelllebig ist wie New York City. Und die sich strikt weigert, zurückzuschauen. Das nostalgische Festhalten an historischer Architektur, das Einhalten von Traufhöhen und die Wiederverwendung von altbewährten Bauelementen, das ist nicht Sache von New York. Die Probe aufs Exempel: 52nd Street. Das kurze Stück der 52. Straße zwischen der 5th und 6th Avenue strahlte ganz hell in den 30er und 40er Jahren. Mehr Jazz-Musiker als irgendwo sonst in der Welt gaben in einem der Clubs hier ihre Visitenkarte ab. Art Tatum, Billie Holiday, Coleman Hawkins, Roy Eldridge, Teddy Wilson, Dizzy Gillespie, Charlie Parker, Miles Davis, Sarah Vaughan – die Liste könnte beliebig verlängert werden. Heute sind die aus rotem Sandstein erbauten Wohnhäuser mit den gemütlichen „stoops“, den Treppenaufgängen, auf denen sich Musiker und Zuhörer trafen, abgerissen, Hochhäuser, mit Spiegelglas verkleidet, mit Stahlstreben gegliedert, geben den Ton an, wie überall in Manhattan. Als ob die Stadtplaner Angst hätten zu erstarren, wenn sie sich umdrehten und in die Vergangenheit schauten. Allein ein bescheidenes Straßenschild erinnert zaghaft an die glorreiche Zeit. „Swing Street“ steht darauf. Doch es wird nicht beachtet von den jungen Angestellten, die um die Mittagszeit aus ihren Büros eilen, um sich in einem Deli an der nächsten Straßenecke ein Pastrami-Sandwich mit viel Mayonnaise einpacken zu lassen. Ob so Körper und Seele zusammengehalten werden? Coleman Hawkins nahm „Body and Soul“ in der 52nd Street, im Club Kelly’s Stable, 1939 auf.

Coleman Hawkins: Body And Soul (Green/Heyman/Sour/Eyton) Track 8, 2:59

CD Three Great Swing Saxophones, LC 0316, ND 90405

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„Wie kommt man zur Carnegie Hall?“, so lautet die bestens bekannte Scherzfrage, die Antwort: Üben, üben, üben. Und diese Antwort trifft auf Musiker aller Sparten zu. Eröffnet wurde Carnegie Hall 1891, mit einem Konzert, das Peter IlyichTschaikowski dirigierte, Höhepunkte ganz anderer Art gab es 1938 mit dem Benny Goodman Orchestra, seitdem war der Swing hoffähig, der Show „From Spirituals To Swing“, damit fand der Blues seinen Weg nach New York fand, und dem großen Auftritt von Harry Belafonte, 1959., Belafonte sang die Musik der Karibik vor einem Publikum, das nur wenig wusste über die Musiktradition von Trinidad und Jamaika.

Mit ihrem Konzert „Spirituals In Concert“ bewiesen die Sopranistinnen Kathleen Battle und Jessy Norman, dass die Verkündigung der frohen Botschaft durchaus lustvoll sein kann.

Kathleen Battle / Jessy Norman: Scandalize My Name (arr. Lee/Simpson-Currenton) Track 10, 3:30

AUTOR:

Musikalisch machen wir jetzt einen großen Sprung, in der New Yorker Wirklichkeit müssen wir nur wenige Blocks in Richtung Norden gehen, dann sind wir im Central Park. Ein Ort der Erholung, auch ein ganz wichtiger musikalischer Ort. Spontane Jam-Sessions finden täglich auf dem Rasen des Great Lawn statt, Strawberry Fields erinnert an John Lennon und seine Vision des Friedens zwischen den Menschen, es gibt ein Theater und zwei Bühnen für Sommerkonzerte. Hier feierten 1981 über 100 000 Besucher die Versöhnung des zerstrittenen Folk-Duos, Simon & Garfunkel. Paul Simon und Art Garfunkel sind New Yorker par excellence, und sie zelebrierten ihre wieder gewonnene Freundschaft mit einem Song über ihre Heimatstadt, „The 59th Street Bridge (Feelin’ Groovy). Der Titel bezieht sich auf eine Brücke, die die beiden Stadtteile Queens und Manhanttan verbindet.

Simon & Garfunkel:The 59th Street Bridge Song (Feelin’ Groovy) (Simon) Track 18, 1:59

CD Concert in the Park, LC 7266, 88575

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“Murder City, USA”, von diesem Furcht einflössenden Beiwort konnte sich New York im letzten Jahrzehnt endgültig befreien. Die Straßen der Stadt sind sicherer geworden, das aggressive Betteln eingeschränkt, die Fenster der U-Bahn Waggons von Graffiti befreit. Gewarnt wird nur noch vor der Bronx. Dabei gilt dieser Stadtteil als Zugpferd in Sachen aufregender neuer Musik. Die „Hip-Hop Nation“ formierte sich hier zwischen den „projects“, den hoch aufragenden Sozialbauten, junge Schwarze entwickelten die abenteuerlichsten Breakdancefiguren und ihr modisches „Outfit“ aus Elementen von „street culture“ und Gefängniskleidung, hat die Welt erobert.

Es gibt einen weiteren guten Grund, die Warnungen in den Wind zu schlagen und sich in die Bronx zu wagen: der Woodlawn Friedhof. Ein wahrhaft friedlicher Ort, vom hoch gelegenen Eingang bietet sich ein atemraubender Blick auf die Stadt, rollende grüne Hügel breiten sich vor den Augen aus, im Herbst brennt das Laub der Bäume feurig in der Sonne. Neben großen Monumenten, so für die Familie Woolworth, die sich als Grabstätte einen ägyptischen Miniatur-Tempel hat bauen lassen, finden sich auch die letzte Ruhestatt von drei großen Jazz Musikern. Eine einfache Grabplatte erinnert an

W. C. Handy, den Vater des Blues, der 1958 in New York starb, die ersten vier Töne seines St. Louis Blues sind in den hellen Stein gemeißelt, dazu die Umrisse eines Kornetts. Imposanter ist die Grabanlage von Duke Ellington, eine hoch aufragende Eiche und eine dichte, immergrüne Hecke schirmen die Erinnerungsstätte mit den beiden hohen weißen Kreuzen von den anderen Gräbern ab. Und schließlich kommt man zur überdimensionalen schwarzen Marmorplatte die im Gedenken an Sir- ja Sir, so will es die Inschrift – Miles Davis errichtet wurde. Ein Grab, das so gar nicht zu der unterkühlten Art des Trompetenstils von Miles Davis passen will.

Miles Davis: I Loves You Porgy (Gerswhin) Track 3:34

CD Love Song, Columbia 493389-2

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Noch immer stockt dem Besucher der Atem, wenn er einen Blick wirft auf das riesige Trümmer-Areal im Süden der Stadt, dort wo einmal die kühn in den Himmel ragenden Türme des World Trade Center standen. Noch immer ist diese schwärende Wunde nicht geschlossen, noch immer spürt man hier den Verlust, den die Stadt erlitten hat, und die Bilder des Terrorangriffs sind stets präsent. Demnächst wird hier etwas Neues wachsen, doch der Tod der 3000 wird von nun an Teil eines neuen „New York State of Mind“ sein. „My City of Ruin“ klagte Bruce Springsteen auf dem großen Konzert, das kurz nach dem Attentat die Stadt in Trauer einte, und sein Wunsch, seine hymnische Beschwörung: Rise up, rise up, die ein weltliches und ein spirituelles Moment besitzt, wird sicher in Erfüllung gehen. Die Zuversicht in die Machbarkeit des Morgen, der Glaube an die Unzerstörbarkeit der Idee einer wahren Weltstadt, dies wird schon bald wieder die Oberhand gewinnen. Doch der Schatten wird sich auch dann nicht vertreiben lassen.

Bruce Springsteen: My City Of Ruin (Springsteen) Track 1, 4:30

CD America: A Tribute To Heroes, COL 505394-2