Down in Mississippi

Manuskript: Maximilian Preisler

DeutschlandRadio Berlin
Red.: Karin Schorsch
21.9.1997

MUSIK: Terry Evans: Down In Mississippi (nach 1. Strophe ausblenden)

SPRECHER 1:

Will man nach Mississippi reisen, führt kein Weg an Memphis vorbei. Memphis, Tennessee ist das Eingangstor zum tiefen Süden der USA. Der „Deep South“ ist von jeher durch die schwierige Beziehung von Schwarzen und Weißen geprägt. In Memphis wurde 1968 der schwarze Prediger Dr. Martin Luther King auf dem Balkon eines Motels von einem Attentäter erschossen. King war gekommen, um den Kampf der vorwiegend schwarzen Müllarbeiter der Stadt – um bessere Arbeitsbedingungen, um gewerkschaftliche Anerkennung – zu unterstützen. Das Motel ist inzwischen abgerissen, doch der Raum, in dem Martin Luther King seine letzte Nacht verbrachte, und der Balkon auf dem die Kugel ihn traf, diese historische Stätte ist Teil eines neuen Museums, das der Bürgerrechtsbewegung gewidmet ist.

In einem Vorort lebte Elvis Presley. Er nahm seine ersten Platten in Memphis auf, es waren Lieder von Schwarzen. „Graceland“, die Villa, in der er wohnte, ein unglaublich kitschiges, schauerlich großartiges Traumhaus, wird täglich von Tausenden von Besuchern heimgesucht.

MUSIK: Elvis Presley: There´s Good Rocking Tonight

SPRECHER 1:

Die Beale Street war von den 20ern bis in die 50er Jahre das große Vergnügungsviertel der Stadt, dann geriet es fast in Vergessenheit. Heute pilgern die Musikliebhaber wieder zur Beale Street, die Stadtväter haben die Straße als Touristenmagnet erkannt und unterstützen die Neugründung von Clubs und Restaurants. Direkt an der Beale Street findet man auch den Eingang zum Center For Southern Folklore. Während mich Judy Peisner durch das Zentrum führt, hört man im Hintergrund, vom Band, Soul Music, eine Aufnahme mit Sam Cooke, ebenfalls in Memphis geboren.

O-TON 1 „We have people … you don´t know.“

SPRECHEIN: (Ãœbersetzung)

Wir haben Besucher aus der ganzen Welt hier. Sie kommen nach Memphis und in die Delta Region, bis New Orleans hinunter, weil sie diese Gegend als Wiege der amerikanischen Musik ansehen. Und so kommen italienische Jugendliche, die sagen: Wir wollen etwas über Soul Music erfahren. Oder da sind Leute aus England, die an Rockabilly interessiert sind. Dann haben wir Besucher aus Japan, die etwas über den Blues erfahren wollen. Manchmal passiert auch so etwas: ein Junge aus Schweden setzt sich ans Klavier, und ein anderer Junge, aus Japan, singt dazu, er singt Blues Songs! Oder junge Leute aus Atlanta kommen her, die schauen sich einen Film über Elvis an, und viele unserer Besucher sehen tatsächlich wie Rockabilly Stars aus.

Wir zeigen den Besuchern die unterschiedlichen Seiten des Südens, im Kunsthandwerk, im Essen, in der Musik. Auch das, was sich ändert, auch die Kultur der neu eingewanderten ethnischen Gruppen, der Vietnamesen, der Chinesen, der Russen. Unsere Absicht ist es, den Süden so zu zeigen, wie man ihn nicht kennt.

SPRECHER 1:

Judy Peisner hat Filme gedreht, sie sammelt Gegenstände der Alltagskultur, führt Interviews, veranstaltet Ausstellungen. Wird sie akzeptiert, sie, die Weiße, wenn sie afro-amerikanische Kultur präsentiert?

O-TON 2: „We´re not just doing … that´s only normal.“

SPRECHERIN: (Ãœbersetzung)

Wir präsentieren nicht nur afro-amerikanische Kultur, jede Kultur interessiert uns. Und ich glaube, es ist nicht wichtig, wer du bist, wichtiger sind die Fragen, die du stellst. Wir wollen Brücken bauen, wir wollen Türen öffnen und es den Leuten ermöglichen, durch diese Türen hindurch zu gehen. Wenn man mehr über eine andere Kultur und andere Erfahrungen weiß, dann werden diese Erfahrungen Teil deiner eigenen Erfahrung. Ich zum Beispiel komme aus einer jüdisch-amerikanischen Familie, ich bin aus dem Süden, meine Vorfahren lebten hier. Ich habe libanesische und chinesische Freunde, ich habe Freunde, die sind Mexikaner. Alle mit unterschiedlichen Erfahrungen, mit unterschiedlichen Traditionen. Afro-Amerikaner, weiße Südstaatler, sie alle haben ihre jeweils spezifischen Einstellungen. Doch hier im Zentrum gibt es einen Tisch, an dem sich jeder niederlassen kann.

SPRECHER 1:

Und in Memphis ist immer gute Musik zu hören. Wenn man Glück hat, erlebt man am Abend in B. B. Kings Club, schräg gegenüber dem Zentrum von Judy Peisner, den Hausherrn selbst bei einer Live Show.

O-TON 3: ATMO (B. B. King Ansage)

SPRECHER 1:

B. B. King hat Erfolg, doch was ist mit den vielen namenlosen Blues-Musikern, die Abend für Abend in irgendeinem kleinen Club in der Beale Street auftreten? Die keinen Plattenvertrag in der Tasche haben? Die für Touristen immer wieder die gleichen Songs spielen müssen? „The only blues men making a living in Memphis are dead,“ hat jemand auf der Toilette von B. B. Kings Club hingekritzelt. Nur tote Blues Musiker können sich in Memphis ihren Lebensunterhalt verdienen.

O-TON 4: ATMO (B. B. King Band)

SPRECHER 1:

Es ist einfach, in der Innenstadt von Memphis das Auto zu parken. Viele Häuser sind abgerissen worden, um neuen Gebäuden Platz zu machen, noch sieht man nur leere Flächen. Memphis setzt auf neue Industrien und auf den Trend hin zu den warmen Südstaaten. Während im Nordosten, in Pittsburg und Cleveland, Kohlengruben und Stahlwerke schließen, springen in Atlanta, Phoenix und Memphis neue Dienstleistungsfirmen wie Pilze aus dem Boden.

O-TON 5: ATMO (Hotel Lobby)

SPRECHER 1:

Waren es früher die Pflanzer mit ihren Frauen, die sich im teuersten Hotel der Stadt, dem Peabody, einmieteten, sind es heute Touristen und junge, aufstrebende Geschäftsleute und Rechtsanwälte, die sich am Nachmittag in derHotel Lobby zum Cocktail versammeln. Ein Pianist spielt alte Hits von Elvis Presley, zwei Herren im Frack geleiten die Enten aus dem Schwimmbecken zum Fahrstuhl. Tagsüber schwimmen die Enten in der Lobby, direkt unter den großen Lüstern, pünktlich um 17:00 Uhr werden sie hoch zum Dachgarten gefahren, dort haben sie ihr Nachtquartier. Von der Dachterasse des Hotels Peabody hat man einen atemberaubenden Blick über die nächtliche Stadt und auf die illuminierte Brücke, die den Strom überspannt und hinüberführt nach West Memphis, nach Arkansas. Der Mississippi aber fließt nach Süden.

MUSIK: Johnny Cash: Big River (ausblenden)

SPRECHER 1:

Oxford, Mississippi, eine Kleinstadt im Norden des Bundesstaates, knapp zwei Autostunden entfernt von Memphis, weiß angestrichene Holzhäuser, eine großzügige Universitätsanlage inmitten einer Parklandschaft, auf dem Rasen lagern kleine Gruppen von schwarzen und weißen Studenten, nebeneinander, und doch nach Hautfarbe getrennt. An der Universität ist ein neuer Studiengang eingerichtet worden, Study of Southern Culture, und wo sonst könnte man die Kultur des Südens besser studieren? „Rowan Oak“, das Haus des Literaturnobelpreisträgers William Faulkner in Oxford ist für Besucher offen, der Bestsellerautor John Grisham hat hier ein Zuhause gefunden, und die geräumige, gutsortierte Buchhandlung Square Books ist eine im ganzen Süden anerkannte Institution. Eine Lesung mit Bobbie Ann Mason ist angekündigt. Seit der Veröffentlichung ihres Erzählbandes „Liebesleben“ ist sie auch in Deutschland keine Unbekannte mehr. Der Roman, den sie nun vorstellt, spielt im Nachbarstaat Kentucky. Eine Südstaatengeschichte also. Thomas Wolfe, William Faulkner und James Agee, drei sehr unterschiedliche Romanciers, wurden als Südstaaten-Schriftsteller bezeichnet. Sieht sich Bobby Ann Mason als Glied dieser Kette?

O-TON 6 „Well, I think I am … and very interested in it.“

SPRECHERIN: (Ãœbersetzung)

Ich komme aus dem Süden, und ich bin eine Schriftstellerin, also bin ich eine Südstaatenschriftstellerin. Und ich bin auch sehr stolz darauf und sehr interessiert am Süden und an der Geschichte des Südens und wie die Menschen davon geprägt sind und wie die gegenwärtige Kultur von dieser Geschichte geformt wurde. Ich hoffe, der Begriff Südstaatenschriftsteller wirkt nicht einengend, denn ein Schriftsteller sollte für alle Leser schreiben. Ich betrachte es jedenfalls nicht als herabsetzende Bemerkung, aber dennoch ist der Begriff Südstaaten-Autor für viele eingrenzend, regional. Und ich wollte gerade klarmachen, daß ich es so nicht meine. Ich bin stolz darauf, aus dem Süden zu kommen und ich bin sehr am Süden interessiert.

SPRECHER 1:

Bobbie Ann Mason schreibt über Menschen vom Lande, über einfache Leute, vorwiegend Weiße, Menschen, denen das Glück nicht gerade hold war, die auf den unteren Stufen der sozialen Leiter geblieben sind; Menschen, die versuchen, eine eigene Identität inmitten einer sich rapide ändernden Gesellschaft zu finden. Welche Sprache sprechen diese Menschen? Es ist nicht die Sprache der Ostküste, und auch das Amerikanisch, das im Mittleren Westen oder in Kalifornien gesprochen wird, ist anders.

O-TON 7 „Oh, that language … different sources.“

SPRECHERIN: (Ãœbersetzung)

Die Sprache, die meine Leute, die Charaktere in meinen Büchern sprechen, ist ein Dialekt, der aus Schottland, aus Nordengland und Nordirland stammt. Im 17. Jahrhundert haben ihn die Einwanderer mitgebracht. Die schottisch-irischen Einwanderer, die Menschen aus Nordengland und aus dem schottischen Hochland, die sich in Amerika, im sogenannten Hinterland, niederließen. Ihr Weg führte sie durch das Tal des Shenendoah in Virginia und North Carolina. Sie zogen in das Appalachen Gebirge und dann weiter Richtung Westen. Eigentlich bis in den mittleren Süden, und sie siedelten jenseits des Mississippi. Aber der Dialekt blieb, vor allem in den ländlichen Regionen. Er wird heute besonders von den Älteren gesprochen, aber es ist eine lebendige Sprache geblieben, eine alte Sprache.

Besonders auch im Osten Kentuckys, in den Bergen, den Appalachen, die sich von West Virginia über North Carolina bis Virginia und die angrenzenden Staaten erstrecken. Da hat sich eine eigene Kultur geformt. Viele Menschen sind später weitergezogen, nach Westen, am Cumberland River entlang. Und auf ihrem Weg haben sie Siedlungen gegründet. Die Menschen in den ländlichen Gebieten haben überall den gleichen Volksglauben, die gleichen religiösen Bräuche, die gleichen Volksweisen, die gleiche Sprache. Besonders in den Bergen und im mittleren Süden. Es ist eine Kultur, die aus verschiedenen Quellen gespeist wird.

MUSIK: Bill Monroe: Breakdown

SPRECHER 1:

In Oxford sieht man an vielen Häusern Bed and Breakfast Schilder. So mancher Besitzer eines großen Anwesens im Süden kann es sich nicht länger leisten, ganz allein das von den Eltern und Großeltern ererbte Haus zu bewohnen. In früheren Zeiten gehörten mehrere schlechtbezahlte schwarze Dienstboten und Hausangestellte zu jedem besseren weißen Haushalt, heute werden von den Eigentümern Zimmer an Durchreisende vermietet, an Touristen mit einem Faible für den „grand old South“. Einmal den säulengeschmückten Portikus durchschreiten, einmal die Treppe emporsteigen, einmal die Hand auf die Balustrade legen, als sei man Gast auf Tara. Tara – das war eine Erfindung von Margaret Mitchell, doch als Hollywood einen geeigneten Platz für die Dreharbeiten zum Film „Vom Winde verweht“ suchte, ging man natürlich in den tiefen Süden, nach Louisiana.

Für die Zubereitung des Frühstücks, für die Sauberkeit, für das tägliche Wohlbefinden der Gäste in diesen Bed-and-Breakfast Villen sind auch heute noch schwarze Frauen und Männer zuständig. Lynne ist knapp 20 und arbeitet als „handy man“, als Mann für alles, in einem solchen Haus. Er will später studieren, jetzt verdient er sich etwas Geld, um sich sich immatrikulieren zu können, die Studiengebühren an den guten Colleges sind sehr hoch. Im großen und ganzen ist er zufrieden mit seinem Leben hier in Oxford. Und die Musik ist seine Leidenschaft.

O-TON 8 „Yes, I was born … crime, you know.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

Ja, ich wurde hier geboren und bin hier aufgewachsen. vor sieben Jahren ungefähr bin ich von hier fortgegangen, ich war ein Jahr lang weg. Aber es ist nirgends so schön wie zu Hause. Der Süden ist einfach schöner als der Norden, im Süden hat man die Ruhe, die Leute sind viel netter. In so einer kleinen Stadt wie Oxford bekommt man alles mit. Wenn irgend etwas passiert, wissen alle gleich davon. Hier leben einfach nicht so viele Menschen, und dann kommt man besser miteinander aus, besser als in einer Riesenstadt mit Unmengen von Leuten, die sich alle gegenseitig auf die Nerven gehen. Ich habe einen Onkel in Chicago und einige andere Verwandte im Norden. Am 4. Juli, am Unabhängigkeitstag, kamen sie zu Besuch und sie überlegen sich, wieder hierher zu ziehen. Sie sind jetzt seit sieben Jahren dort oben und haben die Nase voll, vor allem von der Kriminalität.

MUSIK: B. B. King: Sweet Sixteen (Anfang, dann ausblenden)

O-TON 9 „I think so … on that line, you know.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

Ich liebe alle Arten von Musik, auch Rap und so etwas, aber Blues, das ist doch das Herz des Südens. Blues ist die Seele, Blues wird es noch lange geben. Und ganz gleich, wie alt jemand ist, den Sound des Blues wird man immer schätzen. Ich liebe den Blues. Ich habe angefangen, Bluesplatten zu sammeln, die Songs der alten Sänger, ich will da richtig einsteigen. Mein Lieblingssänger ist vielleicht B. B. King. Ich mag die Art, wie er Gitarre spielt, und wie er singt, es erinnert mich an den alten Blues. Ich kann mich an meine Großeltern erinnern, die saßen abends auf der Veranda, und dann sangen alle. Das war noch eine Zeit, als sich alle hinsetzten und einfach was erfanden. Sie berichteten den anderen von einem Ereignis, es wurde Musik daraus. Und B. B. King macht etwas ganz Ähnliches.

MUSIK: (einblenden) B. B. King: Sweet Sixteen

SPRECHER 1:

Der Highway 61 ist die wichtigse Verbindungsader zum Norden. Er führt von New Orleans nach Chicago, von den Sümpfen Louisianas, von den unüberschaubaren Reis- und Baumwollfeldern und den ländlich-abgeschiedenen Gemeinden des Deep South zu den Schlachthöfen Chicagos, den großen Werkhallen der Automobilindustrie in Detroit, zu den Wolkenkratzern. Der Highway 61 durchquert auch das Mississippi Delta.

Wenn es einen Ort gibt, an dem Jazz geboren wurde, dann ist das New Orleans, und wenn es eine Gegend gibt, in der zum ersten Mal ein Blues zu hören war, dann ist es das Mississippi Delta. Ein geographisches Dreieck: begrenzt von den Städten Memphis im Norden und Vicksburg im Süden. Im Westen bildet der Mississippi die natürliche Scheidelinie, im Osten folgt die Grenze dem mäandernden Lauf des Yazoo River. Hier im Missississippi Delta, einem fruchtbaren Schwemmland, stand die Wiege des Blues.

MUSIK: Muddy Waters: Feel Like Goin´ Home (ca. 30 Sekunden)

SPRECHER 1:

Ein großes Hinweisschild am Straßenrand weist auf die Dockery Farm hin. Es ist einer der legendären Geburtsorte des Blues, doch die „Quarters“, die einfachen Hütten der Schwarzen, sind abgerissen, Tagelähner werden nicht mehr gebraucht. Die Ställe sind leer und verfallen, Maultiere sind auch in Mississippi nur noch selten zu sehen. Alles ist mechanisiert. Auf den Feldern wird die Baumwolle von riesigen Maschinen gepflückt und gesammelt, die schwarzen Fahrer tragen Schutzbrillen und Ohrenschützer. Vor den „Cotton Gins“ parken Lastwagen mit zwei oder drei Anhängern. Sie transportieren die entkernte Baumwolle in die Städte. Immer weniger Arbeitsplätze gibt es auf dem Lande, und auch die Menschen ziehen in die Städte. Immer noch lockt der Ruf der Diesellokomotiven.

O-TON 10: ATMO (Lokomotive)

SPRECHER 1:

Greenville liegt am Mississippi, auf halbem Weg zwischen Memphis und Vicksburg. Wie alle Städte im Süden ist auch Greenville zweigeteilt. Auf der einen Seite das „weiße“ Greenville, mit Banken, Kirchen und dem Gerichtsgebäude, viele der Wohnhäuser sind von prächtigen Gärten umgeben, in denen Magnolien, Azaleen, Kamelien und Glyzinien wachsen. Jenseits einer unsichtbaren Grenzlinie beginnt der schwarze Wohnbezirk. Auch hier viele Kirchen, doch die Häuser sehen schäbiger aus, an vielen Ecken stehen verrostete Autos, es gibt weniger Grün, und das Gras in den Vorgärten ist von der Sonne verbrannt. Vielleicht, sagten sich die tatkräftigen Mitglieder einer schwarzen Selbsthilfegruppe, vielleicht bringt die Musik uns weiter.

O-TON 11: ATMO (Mundharmonika)

SPRECHER 1:

Jedes Jahr im Herbst wird in Greenville ein Musikfestival veranstaltet, seit nunmehr 17 Jahren, das Mississippi Delta Blues Festival.

O-TON 12: ATMO (Mundharmonika und Band)

SPRECHER 1:

Das gesamte Delta hat sich, so scheint es auf den Weg gemacht, um das Wochenende in Greenville zu verbringen. Aber nicht nur aus der näheren Umgebung kommen die Besucher. Einige haben einen ziemlich weiten Weg hinter sich. Schon am Freitagabend ist Cornell Blaylock mit seinen Freunden in Greenville angekommen. Er knöpft sein frisch gestärktes weißes Hemd zu und bietet eine Mitfahrgelegenheit zum Festivalgelände an. Cornell lebt seit einigen Jahren in Chicago, die Visitenkarte zeigt, daß er es dort zu etwas gebracht hat. Sein Geld verdient er als „broker“, er kauft und verkauft Grundstücke, verwaltet Häuser und vermittelt Darlehen.

O-TON 13 „Oh, I enjoy it … very enjoyable.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

Ich genieße das richtig hier. Wir sind heute morgen um 6:00 Uhr aufgestanden und haben Chicago um 8:30 Uhr verlassen. In Memphis gelandet haben wir einen Bus gemietet. Wir machen das immer so: wir fliegen nach Memphis und mieten uns dann ein Auto, um hier runter zu fahren. InTunica haben wir haltgemacht, wir essen da jedes Mal etwas in einem kleinen Café neben einer Raststätte. Prima Essen servieren die da. Was kann man mehr verlangen? Wir hoffen, es wird wieder so gut wie die letzten Male. Und dann ist es schön, die Leute hier zu sehen, auch die vielen, die von überall her kommen. von Texas, von Kalifornien, von New York, von überall her. Es werden mehr als 50 000 Menschen sein. Mitten auf einem Feld. Das heißt schon was: für die Veranstaltung und für die Menschen. Ja, ich genieße das richtig – heimzukommen. Bleibe ein paar Tage, sehe ein paar Leute, sehr schön.

SPRECHER 1:

Sein Vater, so erzählt Cornell, hatte früher ein kleines Fuhrunternehmen in Greenville, im Sommer lieferte er Eis an die Geschäfte und an Privatleute. Die Familie mußte mithelfen.

O-TON 14 „May to October … on Sunday evening.“

Zwischen Mai und Oktober sah mein Tag so aus: Ich bin nachts um 2:30 Uhr aufgestanden und war dann so zwischen 3:00 und 3:30 Uhr am Eishaus. Dort wurde geladen, etwa eine Stunde lang, oder anderthalb Stunden lang. So zwischen 4:30 Uhr und 5:00 Uhr haben wir angefangen, Eis auszuliefern. An einem normalen Sommertag war ich von 2:30 Uhr am frühen Morgen bis um 1:00 Uhr nachmittags unterwegs. Wenn die Schulferien noch nicht begonnen hatten, habe ich trotzdem um 2:30 Uhr am Morgen angefangen, habe dann allerdings nur bis 8:00 Uhr gearbeitet, bin nach Hause gegangen, habe mich umgezogen, und bin um 9:00 Uhr in der Schule gewesen. Die Schule dauerte bis 3:00 Uhr am Nachmittag. Ich habe mich in der Schule noch umgezogen und bin zum Eishaus gegegangen, um dort noch einmal 2 bis 3000 Pfund Eis zu holen und es auszuliefern. Das hat so bis 6:30 Uhr oder bis 7:00 Uhr gedauert. Dann ging´s nach Hause. Ich habe eine Kleinigkeit gegessen, hab´ noch ein bißchen in die Schulbücher geschaut, so lange ich nicht nicht dabei eingeschlafen bin, und dann ins Bett. So gegen 9:00 Uhr, zwischen 9:00 und 10:00 Uhr. Am nächsten Morgen um 2:30 Uhr fing alles wieder von vorn an. Am Wochenende war es das gleiche, allerdings mußten wir am Sonntag in die Kirche. Wir mußten dort erscheinen, und so waren wir also am Sonntag um 11:00 Uhr in der Kirche. Das dauerte bis 2:00 Uhr ungefähr. Danach ist man nach Hause, hat etwas gegessen, und am Sonntagabend hat man dann die Freundin besucht.

SPRECHER 1:

In den 50er Jahren, als Cornell in Greenville aufwuchs, herrschte in der Schule, in der Kirche und auch im Kino strikte Rassentrennung. Diese Erinnerung schmerzt ihn am meisten. Es gab einen Kinoeingang für Weiße, ihnen war das Parkett vorbehalten, und einen Eingang für „Farbige“, sie mußten mit schlechteren Plätzen vorliebnehmen, oben auf dem Rang.

O-TON 15 „A lot has changed … serious than that.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

Eine Menge hat sich verändert, aber es ist auch vieles gleich geblieben. Also die Menschen haben sich verändert, und dann hat sich etwas verändert in der Art, wie einige Sache hier angepackt werden. Aber insgesamt, denke ich, hat sich viel zum Negativen hin verändert, viel mehr als zum Positiven. Wir waren lässiger früher, aber auch vorsichtiger. Heute sind die Jugendlichen ganz anders, sie lassen sich auf gefährliche Sachen ein. Die Nelson Street zum Beispiel, eine Straße, wo wir immer viel Spaß hatten, heute ist das ein richtiger Dschungel. Rauschgift wird aus den Autos heraus verkauft, Prostituierte hängen dort den ganzen Tag herum. Und das war eine Straße, die wir liebten, das war eine Gegend, wo wir damals einfach nur Spaß hatten, ohne diese ganzen Drogen. Und wenn du das jetzt siehst, dreht es dir den Magen um. Wenn du die Jugendlichen siehst, und einge sind richtig kluge Kinder, wie die ihr Leben für nichts wegwerfen! Manchmal mußt du mitten auf der Straße den Wagen anhalten und warten, bis ihren Rauschgiftdeal beendet haben – wenn ich das sehe, macht mich das krank. Also, daß paßt mir alles gar nicht. Ãœberhaupt nicht. Ich versuche, dem allem aus dem Weg zu gehen. Nehme eine andere Straße, um das gar nicht erst sehen zu müssen. Denn ich will nicht, daß dies meine Erinnerung an diesen Ort wird. Meine Erinnerungen sind tiefer und ernsthafter als das hier.

O-TON 16: ATMO (Musik Blues Festival Band)

SPRECHER 1:

Schon am Nachmittag ist die Stimmung ausgelassen, die Home Town Band spielt, alle Musiker stammen aus Greenville. Der unebene Grasboden hält niemanden vom Tanzen ab. Die schwarzen Jugendlichen sind in de Mehrzahl, alle mit dem obligatorischen Soft Drink Becher in der Hand. Viele der Frauen halten sich einen karierten oder gestreiften Schirm über den Kopf, um sich vor der brennenden September-Sonne zu schützen. Ein Grill ist aufgebaut, der Duft von Southern Fried Chicken, scharf gewürzten Brathähnchen, liegt in Luft. In den riesigen Coolers, den Kühltaschen, stapeln sich die Bierdosen. Besucher werden gern zu einem Drink eingeladen. Man drückt ihnen eine Dose in die Hand, Whiskey wird dazu eingeschenkt, randvoll sind die Pappbecher, die herumgereicht werden. Ein Zufall führt mich mit Hank Burdine zusammen, früher gehörte ihm das Areal, auf dem das Festival stattfindet.

O-TON 17 „Well, I´s born … blues people.“

SPRECHER 3: Ãœbersetzung

Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Bin noch nie weggegangen. Also, ich war mal in Tennesse und Alabama und Louisiana, aber weiter noch nie. Ich wollte auch nie woanders hin. Das Delta ist meine Heimat. Klar, hier gibt´s ´ne Menge Moskitos, es ist heiß im Sommer und kühl im Winter. Aber wir haben wir die bestaussehenden Frauen der Welt hier. Was mich zum Delta Festival brachte? Das existiert ja schon seit 17 Jahren, und wenn du im Mississippi Delta lebst, dann hast du den Blues. Und wenn da ein Blues Festival stattfindet, dann muß du dahin. 88 Morgen sind das hier, meine Familie hat das Land an MACE verkauft, das ist so eine Art schwarzer Selbsthilfegruppe, damit die das Blues Festival hier veranstalten können. Früher hatten sie dafür ein Feld weiter draußen, eine Kooperative hat das gemacht, sie nannten sich Freedom Village, doch das war zu weit weg, man konnte es nur schwer erreichen. MACE hat mich gefragt, ob ich jemanden kennen würde, der Land hier besäße. Ich sagte: Ich hab´ Land. Und da sind wir uns einig geworden. 40 Morgen zum Parken für die Autos und 40 Morgen für das Festival. Das Mississippi Delta ist kein geteiltes Land, wie viele behaupten, hier ist jeder vom anderen abhängig. Die Schwarzen sind von den Weißen abhängig und umgekehrt. Einige meiner besten Freunde sind Schwarze, Schwarze haben mich aufgezogen. Ich kannte zwei der berühmtesten Blues-Musiker, Sam Chatmon und Son Thomas. Sam Chatmon starb zehn Minuten, nachdem meine Frau ihn umarmt und ihm die Haare gekämmt hatte. Er war ein ganz enger Freund von uns, so wie Son Thomas auch. Keiner der beiden ist so richtig beachtet worden, dabei hätte es ihnen zugestanden. Das waren nähmlich die wahren alten Blues Leute.

O-TON 18: ATMO: Mikki Rodgers, Gitarre, I´m Mikki Rogers … all over the United States.

SPRECHER 1:

Drei Bühnen sind aufgebaut. Auf einer kleinen Seitenbühne treten Gospel-Sänger und ältere Blues Musiker auf. Sie trauen nur der akustischen Gitarre. Die zweite Bühne ist den „local bands“, den Bands der Umgebung vorbehalten. Auf der dritten, der größten Bühne, treten am späten Abend dann die „main acts“ auf, Musiker mit großen Namen, die Zugkraft bewiesen haben, die bereits Erfolg hatten, in New York, in Los Angeles und in Chicago. Die Band des vor allem bei Schwarzen beliebten Rhyhtm and Blues Sängers Bobby Rush zum Beispiel. Mikki Rodgers ist der Gitarrist der Band. Sie haben schon in Monterey, Kalifornien gespielt und im Norden, in Maine, dieses Festival aber, so Mikki, ist das beste. Hier sind die Wurzeln zu finden.

O-TON 19 „Strictly blues .. but this is it.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

Mit Blues bin ich aufgewachsen, dann spielte ich Rock and Roll. Als ich klein war, damals in Chicago, habe ich B. B. King gehört, Howlin´ Wolf, Muddy Waters, Earl Hooker auch, John Lee Hooker und Albert King. Denen habe ich zugehört. Mein Onkel, auch ein Gitarrist, hatte großen Einfluß auf mich. Ihm und seinen Freunden hab´ ich von klein auf zugehört. Hier – das ist toll. Ich liebe dieses Festival, das Mississippi Blues Festival. Ich war schon überall in den USA und habe Musik gemacht, aber das hier ist unvergleichlich. Ich mag das Monterey Festival, doch, ich mag es, aber das hier ist doch das Wahre.

O-TON 20: ATMO (Musik, akustische Gitarre, Gesang)

SPRECHER 1:

Ganz am Rande des Festivalgeländes steht der Wohnwagen von Owen H. Brooks. Owen ist „field director“, eine Art Wahlkampfleiter des ersten Kongreßabgeordneten mit schwarzer Hautfarbe, der nach der Reconstruction Period, der Zeit nach dem Ende des Bürgerkriegs vor über 100 Jahren, aus Mississippi nach Washington,

D. C. entsandt wurde. Als ich ihm erzählte, was ich so oft gehört hatte, zuletzt von Hank Burdine, dem Sproß der Plantagenbesitzer-Familie, daß doch alle in einem Boot sitzen, winkt er ab und holt und zu einer längeren Rede aus:

O-TON 21 „Well, in a sense … here in the state.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

In gewisser Weise war das tatsächlich schon immer so. Aber von vielen wurde das nicht anerkannt, während einer langen Zeit.

Früher behaupteten die Weißen, sie brauchten uns nur, um die Felder zu pflügen. Und das hängt uns bis heute an. Wir waren gut genug für die harte Arbeit, und dann, nachdem diese Art der Arbeit nicht mehr gebraucht wurde, tat man so, als ob man uns Schwarze hier überhaupt nicht mehr brauchte. Ich erinnere mich, daß in den 60ern, als das Regierungsprogramm zur Bekämpfung der Armut eingeführt wurde, ein weißer Pflanzer auftrat, der offen und ehrlich sagte: Er wolle gene am Programm zur Bekämpfung der Armut teilnehmen, denn das sei ein guter Weg, um Schwarze hier aus dem Delta dazu zu bewegen, nach Norden zu ziehen. Regierungsgelder sollten benutzt werden, um Schwarze auszubilden – nur, um sie dann von hier wegzuschicken. Also hier gibt es einen Fortschritt, die Leute werden wach. Ja, wir brauchen uns gegenseitig. All die Jahre, in denen ich hier lebe, war Mississippi immer am Fußende der Leiter. Wir haben fünfzig Staaten in Amerika und wir sind Nummer fünzig. Wir haben die schlechteste Gesundheitsversorgung, das schlechteste Erziehungsprogramm, wir haben schlechte soziale Beziehungen der Menschen untereinander, in allem sind wir ganz schlecht dran. Das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen. Und das muß jetzt mal ein Ende haben. Die Leute leben hier wie in der Dritten Welt. Und das mitten in Amerika, dem reichsten Land dieses Kontinents, dem reichsten Land der Welt. Wieso müssen Menschen hier hungern? Wieso muß es hier so eine hohe Quote der Kindersterblichkeit geben? Das muß alles nicht sein. Die Kindersterblichkeit ist heute wieder so hoch wie vor dreißig Jahren. Und nur weil wir es nicht fertiggebracht haben, zusammen zu arbeiten, weil wir uns keinen Stoß gegeben haben, das Leben hier unten zu verbessern. Nicht nur für schwarze Menschen, auch für weiße, für alle Menschen in diesem Staat.

SPRECHER 1

Hank und seine Freunde waren nicht gut auf den Wahlkämpfer Owen zu sprechen gewesen: „Ach, das ist einer, der die 60er Jahre nie verlassen hat. Einer, der immer noch diesen Hirngespinsten hinterhherrennt.“

O-TON 22 „Still in the 60s … to that.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

Immer noch inden 60ern. Soll ich das etwa kommentieren? Das ist doch dumm, as ist wirklich idiotisch. Die Zahlen beweisen es doch, oder? Sie beweisen, was ich gesagt habe. Ich habe die Zahlen nicht erfunden, das sind bekannte Fakten. Wo wir in Amerika stehen. Wo das Delta steht. Und wenn ich immer noch in den 60ern bin, vielleicht ist das gut. Denn das deutet vielleicht daraufhin, daß ich immer noch denke, wir müßten hier im Delta aus dieser ganzen Verzweiflung herauskommen. Vielleicht stimmt es sogar, ich kämpfe nämlich immer noch. So wie ich damals, vor dreißig Jahren, kämpfte. Und ich werde weiter kämpfen. Falls das heißt, immer noch in den 60er Jahren zu sein, gut, dann bin ich zufrieden damit. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe.

MUSIK: Albert King: Born Under A Bad Sign (ausblenden)

SPRECHER 1:

Clarksdale heißt die letzte Station der Reise durch Mississippi – hier wurde vor wenigen Jahren ein Blues-Museum eröffnet. Viele Ausstellungsstücke gibt es noch nicht, die finanziellen Mittel fließen nicht so reichlich, das Museum ist auf Spenden angewiesen. Stolz ist man allerdings auf ein Blues-Programm für die Schulen. Einer von den Blues-Musikern hier ist Big Jack Johnson, der den Beinamen „The Oilman“ trägt, denn das war bis vor kurzem sein Job, Fahrer bei einer Erdölraffinerie. Morgens steht er vor den Grundschülern, zeigt ihnen Gitarrengriffe und spricht mit ihnen über das Leben als Musiker. Ein gutes Auftreten gehöre einfach dazu, sagter, ein sicheres, gewandtes Wesen, man darf sich nicht gehen lassen, man darf sich nicht hängen lassen, man muß üben, man muß an sich arbeiten – nur dann hat man Erfolg. Big Jack „The Oilman“ Johnson hat Erfolg, er weiß, wovon er redet. Spät am Abend trifft man ihn in dem kleinen Studio wieder, das Jim O´Neal, früher Chefradekteur von Livin´ Blues, der bekanntesten amerikanischen Blues-Zeitschrift, in einem Nebengebäude seines Hauses eingerichtet hat. Das Anwesen, das auf den Sunflower River schaut, sieht aus wie ein Mississippi Dampfer und dient gleichzeitig als Versandhaus, als Plattenladen und als Treffpunkt für Blues-Fans.

O-TOn 23: ATMO (Band übt)

O-TON 24: „I´m Big Jack Johnson …after school.“

SPRECHER 2: (Ãœbersetzung)

„I´m Big Jack Johnson, The Oilman. Ich bin Blues Musiker. Was mich zum Blues brachte? Na ja, ich liebe eben die alten Blues-Musiker.

Ich liebe die Art, wie sie spielen. Und wie sich das anhört. Mein Vater war Musiker, er spielte Violine, und einige meiner Brüder spielen Gitarre. Ich mag diese Musik einfach. B. B. , Muddy und Elmore James. Das waren meine Idole. Und ich wollte spielen wie diese Männer. Ich wollte ein Gitarrist werden wie sie. Ich komme ja aus dieser Gegend hier, und deshalb ahme ich diese Musiker nach, habe von jedem etwas übernommen. Ja, wir machen nun auch diese Blues-Programme an den Schulen . Wir versuchen, die Jungs zu beeinflußen, weil sie …, also die Bedingungen, unter denen sie hier leben, die sind einfach furchtbar. Wir versuchen, sie auf andere Gedanken zu bringen, sie von der Gewalt und vom Drogenhandel wegzubringen. Wir wollen sie dazu bringen, Musik zu machen. Statt mit Drogen und Crack zu handeln. Wenn sie Musik machen, dann kommen sie vielleicht auf andere Gedanken, zumindest sitzen sie nicht die ganze Zeit vor dem Fernseher. Wir bieten ihnen an, ein Instrument zu lernen. Vielleicht können sie etwas damit anfangen, nach der Schule.

O-TO 25: ATMO: Big Jack Johnson: Catfish Blues

SPRECHER 1:

Es ist tiefe Nacht, die Session in Clarksdale wird wohl noch bis zum frühen Morgen dauern. Draußen ist es immer noch schwül, gan in der Nähe fließt träge der Sunflower River dahin.

Wa ist der Süden? Wie kann man Mississippi beschreiben? Das Land läßt sich nicht auf einen Begriff bringen. Jedoch: man kann sich ihm nähern, so wie William Faulkner es tat, der auf poetische Weise einen Mythos beschwört:

SPRECHER 2:

Die Nacht ist warm, die Dunkelheit erfüllt vom Zirpen frischflügger Zikaden. … Die Neger stiegen aus und hoben die Baßgeige und die Gitarre heraus. Der dritte von ihnen hielt ein schlankes Rohr, auf dem Klappen im wechselnden Mondlicht blaß schimmerten, und sie standen und steckten die Köpfe zusammen und murmelten untereinander und stricken klagend modulierte Akkorde aus den Saiten. Dann hob der mit der Klarinette das Instrument an die Lippen. Es waren alte Lieder, die sie spielten. Einige waren schwierig ausgedacht und von verwickelten Formen, aber in der Wiedergabe ging dies verloren, und alles war statt dessen von der gleichen klagenden, wiegenden und rhythmischen Einfalt duchtränkt; und sie ließen sich treiben in vielstimmigen traurigen Akkorden auf der silbrigen Luft, verwehend, ersterbend in Moll-Kadenzen vor den trügerischen Durchblicken des Mondes.

MUSIK: Sidney Bechet: Summertime

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